27.07.2007

Liebe/r Leser/in des Kuschelmiezen-Tagebuches,

ich möchte hier versuchen, die schlimmen Ereignisse der letzten Monate zusammenzufassen.
Mein Leben hat sich in kürzester Zeit so verändert, dass ich es oft selbst noch nicht glauben kann…

Mitte März 2007 hat mich mein Freund ganz plötzlich und unerwartet nach fast 4jähriger Beziehung wegen einer anderen Frau verlassen. Der kleine Suni hing sehr an ihm, hat meist mit ihm gekuschelt, bei ihm im Bett geschlafen. Er hat schon fast 2 Wochen bevor ich von der Trennung erfuhr wieder Rolling-Skin gezeigt (ob er was gerochen hat?), hatte Probleme mit der Blase und die TÄ behandelte ihn auf Blasenentzündung.

Kurzzeitig ging es ihm besser, bis mein Ex mir eben mitteilte, dass es aus ist. Suni bekam wieder Rolling-Skin-Anfälle, hat sich zurück gezogen, kaum mehr gespielt, schlecht gefressen und auch nicht mehr gekuschelt.

Einmal konnte ich ihn mit dem Laserpointer kurz begeistern, doch plötzlich bekam er Atembeschwerden, er saß da mit heraushängender Zunge und offenem Mäulchen und hat richtig gehechelt. Am Tag darauf hatte er erbrochen. Bin also wieder mit ihm zur TÄ, sie tippte auf Asthma und spritzte ihm etwas (Cortison?) und sagte, wenn er auf die Medis anschlägt, dann hat er es. Zwei Tage später sollte ich zum nachspritzen kommen.

Dann kam der Schock…
statt nachzuspritzen stellte sie eine Vergelblichung der Schleimhäute fest, sein Bauch war geschwollen, er hatte 40,3 Fieber…
Ich musste nach draußen gehen und sie haben ihn am Bauch punktiert, es kam wohl eine gelbe Flüssigkeit heraus (ich selbst hab es nicht gesehen). Sie hat ihm dann noch Blut für ein großes Blutbild abgenommen.
Die Ärztin meinte, dass es zu 90% FIP ist.

Ich wollte meinen kleinen Sonnenschein nicht einfach aufgeben!

Dann die Angst um Pauli, der die Viren in dem Fall auch in sich trägt und die auch bei ihm durch Stress mutieren könnten. Uns stand der Verlust von Suni und ein Umzug bevor… also musste ich auch um ihn riesen Angst haben. Meine Miezen sind mein Halt im Leben, was soll ich denn ohne sie machen?

Die Blutwerte von Suni waren zwar schlecht, aber sie sprachen GEGEN FIP.
Die Ärztin meinte jetzt, die Werte würden auf einen Tumor hinweisen. Auf meine Frage, warum sie keinen Ultraschall macht, sagte sie, dass das bei Suni nicht geht, weil er immer so zappelig ist.
Sie müsste also eine Narkose setzen und da könnte sie dann auch eine genauere Untersuchung
(„aufmachen“) durchführen. Sie hat ihm erstmal Aufbaupräparate, AB und etwas zur Blutbildung gespritzt.
Die roten Blutkörperchen waren zu wenig und die weißen zu viel. Diese Werte waren wohl extrem auffallend. Dagegen sollen die Werte von Niere, Leber, Galle in Ordnung gewesen sein. Die Ärztin wollte mir den Befund nicht aushändigen, mit der Begründung: „… dann hab ich den ja nicht mehr“ .
Und sowas vor einem Feiertag (Karfreitag), wo es im Notfall vielleicht darauf angekommen wäre.

Am Bauch konnte ich etwas hartes ertasten, etwa Haselnuss groß. Ich wusste nur nicht ob das ein Tumor sein könnte oder eine Art Nebenwirkung auf das punktieren.

Ich hätte mir gut vorstellen können, dass Suni psychisch völlig neben sich stand wegen der Trennung meines Freundes und sein Rolling-Skin schob ich auch darauf… nur die Blutwerte hätten ja dann in Ordnung sein müssen, aber dass sein Bauch geschwollen war und er dort einen Knubbel hatte, war deutlich.

Am Karfreitag glaubte ich, dass es Suni besser geht. Er hatte einen unbändigen Hunger, er kam schmusen, wenn auch kurz und verkrümelte sich nicht mehr die ganze Zeit auf dem Kratzbaum.

Doch dann wurde es ganz verrückt…

Ich war am Ostersamstag bei einem anderen TA, leider war er selbst in Urlaub und ich musste zu seiner Assistenzärztin.
Suni hatte wieder 39,7 Temperatur. Er hatte auch nicht mehr so gut gefressen, allerdings kein erbrechen und kein Durchfall.

Die Ärztin hat auf mein drängen Ultraschall gemacht, damit stellte sie aber nichts genaues fest. Den harten „Kern“ am Bauch konnte sie gut tasten, aber sie wusste nicht, wo er sich genau gebildet hat (Vermutung: am Darm) und mit was er gefüllt ist.
Sie meinte wieder, alles deutet auf FIP oder Leukose.
Sie hat ihm nochmals Blut entnommen um auf die beiden Dinge zu testen. Die Ergebnisse sollten aber erst Ende der nächsten Woche kommen.
Sie gab dem Kleinen auch auf mein Bitten keine Medis mehr, mit der Begründung: „er hat schon genug…“

Ich kam mir wirklich verarscht vor.

Hab Suni nach Hause gebracht und bin dann wütend und traurig zu der ersten TÄ und hab die Blutergebnisse verlangt. Sie hat mir gnädigerweise eine Kopie der ersten Seite gemacht.

Jetzt blieb nur noch die TK, die ist aber eine Dreiviertelstunde Fahrt entfernt und das wollte ich dem Kleinen nur antun, wenn dann auch was raus kommt. Ich brauchte doch endlich mal ne Diagnose, für uns beide.

Ich war echt entsetzt, wie man mich behandelt hat und das keiner meinem Süßen helfen wollte. Beide Ärztinnen sprachen vom einschläfern, aber das wollte ich nicht zulassen.

Ich rief in der Klinik an und fragte ob die etwas unternehmen können.

Mit dem Chefarzt der Klinik machte ich aus, dass Suni am nächsten Tag (Ostersonntag) stationär aufgenommen wird. Ich hatte den Süßen schon so sehr gestresst und ich wollte mich gern von ihm verabschieden, denn keiner konnte mir sagen, ob ich ihn aus der Klinik lebend wieder bekomme.

Er fraß wieder gut, kam auf meinen Schoß und hat sich streicheln lassen. Er hat sich ausgiebig das Gesichtchen geputzt, so als wäre nichts. Aber er hatte eben Fieber. Er trank recht viel, vielleicht merkte er selbst, dass das bei Fieber hilft.

Ich wollte ihn nicht aufgeben, auch wenn mich immer wieder Heulkrämpfe plagten. Ich hab ihm an diesem Abend noch 100000000000000000000000 mal gesagt, wie sehr ich ihn liebe und brauche!

Ich habe gekämpft und Suni noch viel mehr, aber wir haben verloren.

In der Tierklinik wurde nochmal eine aller gründlichste Untersuchung gemacht (Röntgen, Ultraschall, Punktat, Blutbild). Der Arzt war entsetzt darüber, wie Suni´s Bauch rasiert war und sagte: „Kein Wunder, dass die nichts gesehen hat beim Ultraschall!“ Außerdem erklärte mir der Arzt, dass niemals ohne gleichzeitigen Ultraschall punktiert werden darf, da die Gefahr besteht, falsch zu stechen. Überhaupt wurde ich in der Klinik über jeden Schritt und dessen Nutzen informiert. Der Arzt nahm sich 2 Stunden Zeit für die Untersuchungen. Leider fielen diese nicht eindeutig aus. Ich hab mich mit dem Arzt entschieden, Suni notoperieren zu lassen, in der Hoffnung auf eine genaue Diagnose und das ihm noch geholfen werden kann.
Plötzlich musste alles ganz schnell gehen… ich hatte nur wenige Minuten um meinem kleinen tapferen Mann zu sagen, wie sehr ich ihn liebe und ich habe ihm versprochen, ihn wieder nach Hause zu holen. Ein letzter Streichler, ein letztes Küsschen auf seine Stirn und als ich das Zimmer verließ hörte ich ihn maunzen.

Unter Tränen bin ich nach Hause gefahren, voller Angst, aber doch mit Hoffnung.
Umsonst.
Noch während der OP wurde ich angerufen…
Suni hatte einen faustgroßen Tumor im Dünndarm. Das Gewebe an den Nieren, der Leber, der Milz war schon stark geschädigt. Der Arzt gab ihm eine Überlebenszeit nach der OP von höchstens 2 – 4 Wochen. Er hatte akute Blutarmut, erhöhte Herz- und Atemfrequenz, wieder über 40 Fieber und wohl unerträgliche Schmerzen…
Ich musste die schlimmste Entscheidung meines Lebens treffen…

Suni wurde aus der Narkose nicht mehr geweckt.

Die nächsten Tage verbrachte ich wie in Trance. Ich wollte es einfach nicht glauben. Es durfte nicht sein.

Am Ostermontag bin ich in die Klinik gefahren um Suni zu holen, er bekam ein sonniges Plätzchen im Garten meiner Eltern, er war ja selbst ein kleiner Sonnenschein und hatte deshalb auch den Namen Suni. Unter vielen Tränen habe ich, zusammen mit meinem Dad, meinen kleinen, zuckersüßen, lieben Herzenskater begraben müssen. Ich habe ihm seine Kuscheldecke, seinen Fressnapf, seine Angel, den Laserpointer und eine Spielmaus mit gegeben, damit er seine liebsten Sachen auch im Regenbogenland bei sich hat.

Der Arzt war fest davon überzeugt, dass Suni eine Leukose hatte. Mir war das unwahrscheinlich, denn Suni wurde 2x negativ getestet (1 Schnelltest, 1 Labortest). Den Tumor habe ich entfernen lassen um ihn pathologisch untersuchen zu lassen. Ich musste einfach auch an Pauli denken. Wenn es ihn nicht mehr gibt, hat nichts mehr einen Sinn.

Pauli sollte ich in die Klinik mitbringen, da bei Suni der Verdacht auf Leukose bestand, sollte er darauf getestet werden. Pauli wurde durchgecheckt, es ging ihm gut. Auch sein Test war (zum 2. mal) negativ und er wurde gegen Leukose geimpft.

Meine kleine Sonne fehlt mir soooooooooooooooooooooooooo sehr, es zerreißt mir das Herz! Ich hatte ihm doch extra noch ganz oft zugeflüstert wie sehr ich ihn brauche und wie dolle lieb ich ihn hab. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Tränen in mir hab… ich weine sie nur für ihn.

Zu Hause rief Pauli ständig nach Suni und suchte ihn überall, er konnte es kaum ertragen, wenn ich mal auf Toilette ging… er hatte wohl solch eine Angst, dass ich auch nicht wiederkomme…

Der Befund des Tumors wurde mir zugeschickt.
Zitat:

Histopathologische Diagnose:
lymphoblastoides Lymphosarkom (sehr pleomorph, mitosenreich) mit vollständiger Destruktion der organspezifischen Strukturen des Darmes

Leider hatte das Labor noch nicht auf Leukose getestet. Das forderte ich dann nach.
Das Ergebnis der 2. Untersuchung von Suni´s Tumor bestätigte: Er hatte KEINE Leukose!!! Zumindest keine freie, die dann ansteckend für Pauli gewesen wäre. Es ist aber möglich, dass er eine versteckte Art dieser miesen Viren hatte, die sich z.B. nur ins Knochenmark zurück gezogen haben.

Ich bin zwar erleichtert, da Pauli jetzt wohl negativ bleiben wird, aber auch immer mehr am zweifeln, ob es wirklich richtig war meine kleine Sonne gehen zu lassen. Vielleicht hätte es ja doch eine Chance gegeben? Ich hab mir große Vorwürfe gemacht, dass ich so über sein Leben entschieden habe. Er fehlt mir so. Ich hab keine Worte für das, was ich fühle.

Pauli´s Immunsystem war dann auch angeschlagen, er hatte einen beginnenden Katzenschnupfen. Mehrere Tage hintereinander musste ich mit ihm in die Klinik fahren. Er brach jedesmal in Panik aus, wenn er den Transportkorb nur gesehen hat, er maunzte kläglich und bekam einen dicken Schwanz. Er hat sich dann in seinem Korb so aufgeregt, dass er jedesmal Fieber hatte, wenn wir in der TK angekommen waren.
Mit der Zeit ging es ihm zum Glück wieder besser und ich konnte gegen Leukose nachimpfen lassen. Auch gegen Katzenschnupfen und Seuche hab ich ihn noch mal grundimmunisieren lassen, weil er 2 Jahre nicht geimpft wurde. Aber die vielen TA-Besuche haben ihn so verwirrt, dass er jedesmal, wenn ich mich angezogen habe, dachte ich nehme ihn wieder mit. Egal wohin ich ging, Pauli saß unter dem Bett.

Nebenbei musste ich in dieser schrecklichen Zeit auch noch für meine schriftliche Abschlussprüfung als Mediengestalterin lernen, was mir wochenlang unmöglich war. Aber ich habe die Prüfung bestanden, sogar ziemlich gut.
Danach fing ich dann an den Umzug zu planen und vorzubereiten. Somit hatte ich ab und an ein wenig Ablenkung von meinem Schmerz. Doch sobald ich etwas zur Ruhe kam, liefen die Tränen wieder. Die neue Wohnung hab ich für mich und meine 2 Miezen ausgesucht (habe nur nach Wohnungen mit Balkon und der Möglichkeit diesen zu sichern gefragt), ich wollte mit den beiden neu anfangen und nun konnte ich nur mit Pauli dort einziehen. Oft schaue ich Pauli an und sehe Suni neben ihm, die beiden gehören für mich einfach unweigerlich zusammen.

Pauli hat sich inzwischen gut eingelebt. Die ersten Tage waren sehr schwierig für ihn, er hat sich unter dem Bett versteckt und kam eigentlich nur heraus um zu futtern und um sein Geschäft zu machen. Das kostete mich auch wieder einige Tränen, denn alles was ich getan hatte, war nur für ihn und er hat es sich nicht einmal angesehen. Aber die Neugier siegte dann doch und er eroberte wieder seinen Kratzbaum, entdeckte die Fensterbänke für sich und mag nun auch den neuen Balkon mit seiner kleinen Wiese. Sein Wesen hat sich in den letzten Monaten jedoch stark verändert. Er ist ein richtiger Kuschelkater geworden, der jede Aufmerksamkeit genießt. Er lässt sich sogar von meinem Dad streicheln und das wo er wirklich jedem Fremden immer aus dem Weg gegangen ist. Allerdings spielt er nur noch selten, ihm fehlt Suni auch sehr. Er apportiert zwar nach wie vor seine Lieblingsspielsachen und flippt auch bei einem Stinki mal richtig aus, aber er hat einfach diese Ausdauer nicht mehr… es ist ihm halt mit mir zu langweilig. Er schimpft auch viel und ich weiß meistens einfach nicht, warum er so schreit.

Mein Herz sagt definitiv NEIN zu einem neuen Katerchen, ich möchte Suni nicht ersetzen. Aber wenn ich Pauli anschaue und sehe, wie unausgeglichen er ist, muss ich in der kommenden Zeit versuchen einen passenden Freund für ihn zu finden.

Vielleicht liest du, liebe/r Besucher/in schon bald von einem Neuzugang bei den Kuschelmiezen.

Vielen Dank für´s Lesen und liebe Grüße
Andrea